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| Kindheit
in Osttibet (1903-1927)
Gendun Choephel wird 1903 in einem kleinen Dorf in Osttibet
geboren, nahe der chinesischen Grenze. Das abgelegene Nomadengebiet
liegt an der Seidenstrasse, bewohnt von Muslimen, Chinesen
und Tibetern, die in ständigem militärischen Konflikt
stehen. Die Dörfer werden oft von rivalisierenden Kriegsfürsten
überfallen und geplündert. In dieser explosiven
Mischkultur setzt sich Gendun Choephel schon früh mit
seiner tibetischen Identität auseinander. Er geniesst
eine traditionelle Ausbildung als Mönch im wichtigsten
Kloster der Region. Seine Freundschaft mit einem amerikanischen
Missionar wird ihm von seinen Mitmönchen und der eigenen
Familie übel genommen. 1927 verlässt er das heimatliche
Kloster und zieht mit einer Handelskarawane nach Lhasa.
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| Zhöpang, Geburtsort
Gendun Choephels |
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Kloster Drepung,
1930 |
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Klosterausbildung
in Lhasa (1927-34)
Hier studiert Gendun Choephel in Drepung, dem grössten Kloster
der Welt. Seine rebellischen Versuche, die klösterlichen Regeln
zu unterlaufen, stossen auf den Unmut seiner Mitmönche. Schliesslich
wird ihm das Klosterleben auch hier zu eng und er tritt aus dem
Kloster aus. In Lhasa hält er sich als Portraitmaler und Künstler
für reiche Adlige über Wasser und macht 1934 die folgenreiche
Bekanntschaft des Inders Rahul Sankrityayan: ein Buddhismus-Forscher
und kommunistischer Aktivist des indischen Unabhängigkeitskampfes
gegen die britischen Kolonialisten.
Reise durch Tibet (1934-1938)
Gemeinsam reisen sie durch Tibet, auf der Suche nach alten Texten,
die in Indien vor Jahrhunderten zerstört wurden, in Tibet aber
in den abgelegenen Klöstern überlebt haben. Rahul sieht
seine historische Forschung als Teil seines politischen Kampfes
— die Erforschung der Geschichte als Schlüssel zur Gegenwart.
Gendun Choephel ist nicht nur Rahuls Übersetzer, sondern auch
Vermittler der tibetischen Kultur. Und umgekehrt erregen die faszinierenden
Geschichten von Indien seine Neugier.
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| Rahul Sankrityayan,
1940's |
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Skizze, Indien 1942 |
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India, 1945 |
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ANGRY MONK
Reflections on Tibet
von Luc Schaedler
Schweiz 2005
1:1,85 • 35mm • Farbe
97 Minuten • Ov/d |
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Reise durch Indien
(1938-1946)
In Indien wird Gendun Choephel mit einer ihm fremden Welt konfrontiert.
Er sieht die Eisenbahn und andere technische Errungenschaften zum
ersten Mal. Das Land ist im Umbruch und im Gegensatz zu Tibet haben
die Inder ihr Schicksal in die eigene Hand genommen. Der Kampf für
die Unabhängigkeit steht auf dem Höhepunkt. Gendun Choephels
Sicht auf die eigene Kultur beginnt sich zu verändern —
Indien wird seine kreativste Zeit. Er reist als buddhistischer Pilger
durchs Land, lebt in der Millionenstadt Kalkutta, sieht das Meer,
besucht Bordelle und Bibliotheken, schreibt erste Zeitungsartikel
und übersetzt das Kamasutra ins Tibetische, angereichert mit
eigenen Erfahrungen. Viele seiner Schriften, Notizen und Skizzen
schickt er zurück in die Heimat und vermittelt darin seine
Eindrücke der grossen Welt.
Rückkehr nach Tibet (1946-51)
1946 reist Gendun Choephel zurück nach Tibet, Zwischenstation
ist die indisch-tibetische Grenzstadt Kalimpong: neben britischen
und chinesischen Agenten treffen sich hier auch radikale Tibeter,
die bei der Regierung in Lhasa in Ungnade gefallen sind. Sie gründen
1939 die «Tibetische Revolutionspartei». Choephel macht
ihre Bekanntschaft und entwirft das Parteisymbol: eine Sichel gekreuzt
von einem Schwert. Ziel der Partei ist der Sturz des tyrannischen
Regimes in Lhasa. Bei Gendun Choephels Ankunft in Lhasa ist die
tibetische Regierung über seine politischen Aktivitäten
bereits informiert. Er beginnt an einer politischen Geschichte Tibets
zu schreiben, doch seine plötzliche Verhaftung verunmöglicht
das Unterfangen. Er wird des Aufstandes bezichtigt und für
drei Jahre in den Kerker geworfen. 1949 kommt er frei. Sein Herz
ist gebrochen und die Verzweiflung ersäuft er im Alkohol. Wenig
später überrollt die chinesische Armee die tibetischen
Truppen in Osttibet und 1951 — kurz nach dem Einmarsch der
Chinesen in Lhasa, stirbt Gendun Choephel: «Jetzt haben wir
den Dreck», soll er die politischen Ereignisse kommentiert
haben.
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